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Königlich Privilegierte Schützengesellschaft
1447 Aschaffenburg

Königsscheibe von 2002

Königsscheibe von 2002

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Motiv:
Schlüsselübergabe an König Gustav Adolf, 1631 vor dem Schloss.


Der Schwedenkönig Gustav Adolf in Aschaffenburg

Als sich die Schweden im November 1631 der Stadt Aschaffenburg näherten, geriet die Bürgerschaft in großen Schrecken und brachte sich zumeist in Sicherheit. Die weltlichen Behörden flohen nach Mainz, die Stiftsherren nach den Niederlanden und die Jesuiten nach Frankreich. Aber die Aschaffenburger Kapuziner hielten mutig aus, trösteten die Zurückgebliebenen und halfen, wo es nötig war; voran der Guardian des Klosters, Pater Bernhard. Da setzten die Einwohner auf ihn ihr ganzes Vertrauen und baten ihn, er möge beim Schwedenkönig um Gnade bitten für die Stadt. Pater Bernhard erschrak zunächst; denn er dachte: Wird der Schwedenkönig auf das Wort eines Mönches achten? Weil aber das Volk mit seinen Bitten nicht nachließ, sagte er in Gottes Namen zu. Er ging, von einigen getreuen Stadtvätern begleitet, über die Mainbrücke, wo schon die schwedischen Regimenter in endlosem Zuge hereinkamen. Ihr König Gustav Adolf reitet auf einem Blendschimmel. Und jetzt geht unser wackerer Mönch dem siegreichen König entgegen und überreicht ihm auf einem silbernen Teller die Schlüssel der Stadt. Zugleich schildert er in bewegten Worten Angst und Not der Bürger und fleht um gnädige Behandlung. Gustav Adolf verwunderte sich, als er einen Stadtvertreter im Mönchsgewand erblickte, dann aber freute er sich über den Mut des einfachen Mannes und sagte: "Um deinetwillen soll der Stadt kein Leid geschehen. Wo wohnst du denn, du wackerer Mann?" Pater Bernhard zeigte nach dem Kloster hinüber, und der König sprach: "Ich werde bei dir einkehren." Als Gustav Adolf am Schlosse vorüber kam, bestaunte er den prächtigen Bau und meinte: "Ein feines Schloss! Wenn es Räder hätte", fügte er alsdann hinzu, "würde ich das schöne Schloss nach Stockholm fahren lassen. Weil es aber nicht möglich ist, und der Erzbischof von Mainz es nicht beschützen mochte, so will ich's meinem Kriegsvolk preisgeben." Da kam dem Pater Guardian ein guter Gedanke. "Majestät", erwiderte er, "seht nur hin, an jedem Fenster ist ein Rad. Ihr braucht bloß für die Bespannung zu sorgen." Bei diesen Worten zeigt er auf das Kurmainzische Wappen, das in der Gestalt eines Wagenrades über jedem Fenster des zweiten Stockes angebracht ist. Lachend entgegnete der König: "Mönchlein, Mönchlein, das hast du gut gemacht; du bist ebenso klug wie herzhaft, deinetwegen soll auch das Schloss verschont bleiben." Und Gustav Adolf hielt Wort. Er kehrte im Kloster ein und sagte vor den versammelten Mönchen: "Vergesset nie: Aschaffenburg fand Gnade vor uns, um dieses Mannes willen."
Die Stadt ließ ihrem Retter an der Stelle, wo er dem Schwedenkönig entgegengegangen war, einen Stein setzen mit der Inschrift:
"Zum dankbaren Gedenken an P. Bernhard v. Trier, Guardian des Kapuzinerklosters, dem Fürsprecher der Stadt Aschaffenburg vor dem Schwedenkönig Gustav Adolf am Abend des 23. November 1631."
Wer heute nach Spuren des Kapuziner- Paters Bernhard von Trier sucht, findet sie am Eingang zur Kleinen Schönbuschallee in Aschaffenburg.
Quelle: Spessart-Sagen, Valentin Pfeifer, Aschaffenburg 1948, S. 12 - 13.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Karin Dries, Februar 2005.


Der Guardian des Kapuzinerklosters Aschaffenburg,
Bernhard von Trier, überreicht die Stadtschlüssel an den Schwedenkönig Gustav Adolf.
Bruno Supernok hat das Bild 1962 nach einem Wandgemälde von Geo Schäfer gemalt, das in der Aschaffenburger Gaststätte „Gabrinus“ zu besichtigen war .
Jetzt ist das Bild im Stiftarchiv.


Denkmalstreit beendet
Niemand will Pater-Bernhard-Gedenkstein sprengen: Stiftsarchivar entschuldig sich.
Als »Spies-Spaß« hatte das Main-Echo im Juli den Vorschlag des Stadtarchivars Dr. Hans-Bernd Spies gewertet, das Pater-Bernhard-Denkmal an der Kleinen Schönbuschallee »zu sprengen«. Doch aus dem Spaß wurde Ernst. Am Mittwoch schaltete sich Oberbürgermeister Klaus Herzog in die Diskussion ein - um sie zu beenden.Wie am 23. Juli berichtet, geht es um eine Schlüsselszene der Stadtgeschichte: Es soll der damalige Guardian des Kapuzinerklosters, Bernhard von Trier, gewesen sein, der im 30-jährigen Krieg am 23. November 1631 dem heranrückenden Schwedenheer entgegen trat, König Gustav Adolf die Stadtschlüssel überreichte und Aschaffenburg damit vor Plünderung und Zerstörung bewahrte.Zahlreiche Darstellungen in Text und Bild würdigen die mutige Tat. Freilich sind sie erst später entstanden - wie das Denkmal des Aschaffenburger Bildhauers Otto Gentil, das 1931 zum 300. Jahrestag an der Kleinen Schönbuschallee unweit der Willigisbrücke errichtet wurde.Da es für die Schlüsselübergabe durch Pater Bernhard keine zeitgenössischen Belege gibt, ist sie dem Leiter des Stadt und Stiftsarchivs, Dr. Spies, seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun will er im Reichsmuseum Stockholm ein Dokument gefunden haben, das seine These beweist: Es waren Vertreter des Stadtregiments, die dem Schwedenkönig die Schlüssel entgegen trugen. Seine Folgerung: Das Denkmal müsse mit einer Erläuterungstafel versehen, ins Museumsdepot gebracht oder gesprengt werden.Zwar war der Vorschlag ironisch gemeint, doch auch Klaus Herzog konnte nicht darüber lachen, wie er unter-streicht: Der Spaß höre auf, wenn die Würde anderer Menschen verletzt werde. Der Kapuzinerorden habe über Jahrhunderte für die Bürger der Stadt gewirkt, in der Armen- und Sozialpflege ebenso wie im öffentlichen Leben.
Gefühle verletzt. Ob es der historischen Wahrheit entspreche oder nicht: Das Denkmal würdige auch die besondere Bedeutung der Kapuziner für Aschaffenburg. Seine Sprengung, Entfernung oder Ergänzung zu fordern, verletze die Gefühle der Ordensbrüder und der Menschen, die um die Bedeutung des Ordens wissen. Die Stadt nehme auch keinen der drei Vorschläge auf, versicherte Herzog.Dass Spies den historischen Hintergrund in Frage stellt, damit habe er kein Problem, sagt der heutige Guardian des Klosters, Pater Felix. Überzogen seien aber der Ton und das Vorgehen des Stadtarchivars gewesen, der die Bernhard-Überlieferung in der Vergangenheit auch schon als »Propaganda-Ge­schichte« bezeichnet hatte, erfunden von den Kapuzinern, die ihr Ansehen heben wollten. Zudem habe Spies im Vorfeld keinen Kontakt mit ihm gesucht oder Belege für seine These vorweisen können.Das gelte auch für das Gespräch am Mittwoch, so Pater Felix. Spies habe eine spätere Publikation des Stockholmer Funds in Aussicht gestellt. Die Patres hätten jedoch gerne Einblick in die angeblichen Dokumente, und zwar vollständig und in beglaubigter Übersetzung«, damit keine Formulierung aus dem Zusammenhang gerissen werden könne.Pater Felix steht ebenfalls mit Historikern in Kontakt und weiß von daher: »Wenn Bernhard in den historischen Protokollen nicht erwähnt wurde, ist das kein Beweis, dass er bei der Schlüsselübergabe nicht dabei war.« Die Anwesenheit sei bei solchen Anlässen nie vollständig festgehalten worden. Es herrschte Krieg, der Protokollant war Vertreter eines Heeres aus einem fremden, noch dazu protestantischen Land - vermutlich habe er mit einem »Kapuziner« gar nichts anfangen können.
Irritationen ausgeräumt
Dennoch zeigt sich Pater Felix versöhnlich: Die Irritationen über den Sprengungsvorschlag seien im Sechs Augen-Gespräch beim OB ausgeräumt worden, zumal sich Spies förmlich entschuldigt habe. Er könne nun seine Zeit wieder seiner Arbeit widmen, hofft der Guardian: »Wir leben hier, um den Menschen zu dienen.«
Gibt es nicht wichtigere Dinge, um die zu streiten es sich lohnt? Das sieht Herzog nicht so. »Das Leben einer Stadt steht natürlich in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Aber Wohlbefinden und politische Kultur haben auch mit Symbolen zu tun.« Dazu zähle das Pater-Bernhard-Denkmal.
Peter Freudenberger Vom Main-Echo am 17.09.2005

Das Stichwort > Bernhard von Trier
Im 23. November zog Schwedenkönig Gustav Adolf kampflos in Aschaffenburg ein.
Das Main-Echo hat dieses Ereignis 1981 zum 350. Jahrtag ausführlich gewürdigt - anhand des konkreten Materials.
Zur Person des Paters Bernhard hieß es:
»Der Kapuzinerpater Bernhard von Trier (der Zusatz bezeichnet nach Ordensbrauch den Herkunftsort) ist eine historische Figur. Eine Liste der Oberen des Aschaffenburger Kapuzinerklosters gibt an, dass er zweimal zum Guardian (Leiter) des Aschaffenburger Klosters bestellt worden ist: 1624 und im September 1631. Bei seiner ersten Ernennung 1624 bestand die Kapuzinerniederlassung gerade vier Jahre und befand sich noch in einer provisorischen Unterkunft nahe der Muttergotteskirche (die erste Kapuzinerkirche am heutigen Platz wurde 1627 geweiht).
Bei der zweiten Bestellung zum Guardian findet sich in der Liste der Zusatz »Exprovinzial«. Bernhard scheint in der Zwischenzeit das höhere Amt des Provinzials ausgeübt zu haben und nach Aschaffenburg zurückgekehrt zu sein. 1646 ist er in Aschaffenburg gestorben.
In Urkunden, die mit der schwedischen Besetzung in Zusammenhang stehen, findet sich kein Hinweis auf die Person von Pater Bernhard.
Die erste Quelle, in der Pater Bernhard im Zusammenhang mit der Übergabe der Stadt erscheint, stammt aus einer Geschichte der rheinischen Kapuzinerprovinz, die 1735 erschienen ist. Sie übernimmt die Episode aus einer unveröffentlichten Aschaffenburger Kapuzinerchronik von 1703.
Gleichwohl gehört die Erzählung von der Begegnung zwischen dem Furcht verbreitenden Schwedenkönig und dem unerschrockenen Kapuziner zu den populärsten Episoden der Stadtgeschichte. Sie fand zahlreiche literarische und bildliche Darstellungen, in den Jahren 1907, 1908 und 1912 wurde sie als Festspiel aufgeführt, bis heute ist sie Bestandteil des Heimat und Sachunterrichts.
Ptklred Vom Main-Echo am 17.09.2005